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Wie viel Strom braucht eine Infrarotheizung? Wie sich der Stromverbrauch einer Infrarotheizung berechnen lässt und welche Faktoren ihn beeinflussen

Wie viel Strom braucht eine Infrarotheizung? Wie sich der Stromverbrauch einer Infrarotheizung berechnen lässt und welche Faktoren ihn beeinflussen

Bei einer Infrarotheizung kommt die Überraschung oft nicht beim Einschalten, sondern auf der Stromrechnung. Ein Panel mit 800 Watt klingt zunächst überschaubar. Wer daraus aber „es läuft den ganzen Abend, also kostet es nur ein paar Cent“ macht, übersieht den entscheidenden Punkt: Ein Thermostat schaltet die Heizung zwar immer wieder ab, doch wie lange sie tatsächlich Wärme liefern muss, hängt stark vom Raum und von der Nutzung ab.

Um den Verbrauch einzuschätzen, braucht es deshalb keine komplizierte Formel, aber eine realistische Annahme zur Laufzeit. Die Wattzahl auf dem Gerät ist die Leistung im Betrieb – nicht automatisch der Stromverbrauch pro Tag. Mit dieser Unterscheidung lässt sich meist schon vor dem Kauf eine brauchbare Rechnung aufstellen.

Die einfache Rechnung: Leistung mal Laufzeit

Der Stromverbrauch ergibt sich aus der elektrischen Leistung der Heizung und der Zeit, in der sie eingeschaltet ist. Die Leistung wird in Watt angegeben; für die Rechnung teilt man durch 1.000 und erhält Kilowatt. Eine Heizung mit 800 Watt hat also eine Leistung von 0,8 Kilowatt. Läuft sie eine Stunde durchgehend mit voller Leistung, verbraucht sie 0,8 Kilowattstunden (kWh).

Die Grundformel lautet: Leistung in Kilowatt × Betriebsstunden = Stromverbrauch in Kilowattstunden. Bei einem Strompreis von beispielsweise 35 Cent pro kWh kosten 0,8 kWh rund 28 Cent. Läuft das Gerät an einem Tag insgesamt drei Stunden mit voller Leistung, sind das 2,4 kWh oder etwa 84 Cent. Auf 30 Tage gerechnet wären es 72 kWh und rund 25 Euro.

Diese Beispielrechnung wird häufig missverstanden: Gemeint sind drei Stunden tatsächliche Heizzeit, nicht drei Stunden, in denen der Raumthermostat auf „Heizen“ steht. Ist das Panel in diesem Zeitraum nur die Hälfte der Zeit eingeschaltet, fällt der Verbrauch entsprechend niedriger aus. Umgekehrt kann ein schlecht gedämmter Raum die Heizung fast durchgehend fordern.

Was „Betriebsstunden“ im Alltag wirklich bedeuten

Ein Thermostat arbeitet normalerweise nicht wie ein Dimmer, der ein 800-Watt-Panel dauerhaft auf 400 Watt herunterregelt. Häufig schaltet es die Heizung ein und wieder aus. Steht die gewünschte Temperatur bei 20 Grad und der Raum ist bereits warm, bleibt das Panel aus. Sinkt die Temperatur, schaltet es wieder ein. Für die Verbrauchsrechnung zählt daher die aufsummierte Einschaltzeit – oder, genauer gesagt, die sogenannte Volllastzeit.

Ein Beispiel aus einem Arbeitszimmer: Das Panel ist an einem kalten Nachmittag fünf Stunden lang Teil des Heizbetriebs. Über diese Zeit hinweg ist es wegen der Regelung aber nur 2,5 Stunden tatsächlich eingeschaltet. Ein Gerät mit 800 Watt verbraucht dann 0,8 × 2,5 = 2 kWh. Bei 35 Cent pro kWh entspricht das 70 Cent. Die fünf Stunden am Schreibtisch sind also nicht automatisch fünf Volllaststunden.

Bei einfachen Steckdosen-Thermostaten kann die Temperaturmessung allerdings täuschen. Sitzt der Fühler direkt in der warmen Strahlung des Panels oder an einer zugigen Außenwand, regelt er womöglich zu früh oder zu spät. Das verändert nicht die Leistung des Geräts, aber seine Laufzeit. Deshalb lohnt es sich, bei der Aufstellung nicht nur auf die Nähe zur Steckdose zu achten, sondern auch darauf, wo der Thermostat die Raumtemperatur sinnvoll erfassen kann.

Ein Rechenbeispiel für eine Heizperiode

Eine einzelne Tagesrechnung ist schnell gemacht. Schwieriger ist die Frage nach einer Heizsaison, denn die Laufzeit unterscheidet sich zwischen milden Herbsttagen und einer frostigen Woche deutlich. Angenommen, ein 800-Watt-Panel läuft an 120 Heiztagen im Durchschnitt täglich drei Volllaststunden. Dann ergibt sich: 0,8 kW × 3 Stunden × 120 Tage = 288 kWh. Bei 35 Cent pro kWh wären das 100,80 Euro.

Die Rechnung ist eine Schätzung, keine Verbrauchsgarantie. Drei Volllaststunden am Tag können für ein gut gedämmtes Zimmer mit gelegentlicher Nutzung plausibel sein, für einen zugigen Altbau oder einen Raum, der den ganzen Tag warm bleiben soll, aber deutlich zu niedrig liegen. Wer unsicher ist, kann zunächst zwei oder drei typische Wochen beobachten und den Verbrauch hochrechnen. Eine Messung über einen repräsentativen Zeitraum ist meist aussagekräftiger als eine pauschale Jahreszahl aus einer Produktbeschreibung.

Beispiel Volllastzeit Verbrauch Kosten bei 35 ct/kWh
500-Watt-Panel, ein Abend 3 Stunden 1,5 kWh 0,53 Euro
800-Watt-Panel, ein Tag 3 Stunden 2,4 kWh 0,84 Euro
1.000-Watt-Panel, 120 Heiztage 3 Stunden täglich 360 kWh 126 Euro

Die Tabelle zeigt Rechenbeispiele, keine typischen Verbrauchswerte für jeden Haushalt. Der Strompreis lässt sich einfach ersetzen: Verbrauch in kWh mit dem eigenen Arbeitspreis multiplizieren. Grundgebühren des Stromvertrags gehören nicht in diese Rechnung, weil sie unabhängig davon anfallen, ob das Panel läuft.

Warum zwei gleich große Räume unterschiedlich viel verbrauchen

Die Raumfläche allein sagt wenig über den späteren Strombedarf aus. Entscheidend ist, wie viel Wärme verloren geht. Außenwände, alte Fenster, undichte Türen, ein unbeheizter Raum darüber oder darunter und eine hohe Decke können den Bedarf spürbar erhöhen. Auch die gewünschte Temperatur spielt hinein: Ein Raum, der auf 21 Grad gehalten wird, braucht mehr Energie als derselbe Raum bei 18 Grad – besonders dann, wenn es draußen kalt ist.

Eine Infrarotheizung erwärmt vor allem Oberflächen und Personen, die sich im Strahlungsbereich befinden. Das kann angenehm sein, wenn jemand für einige Stunden am Schreibtisch sitzt oder im Bad kurz Wärme möchte. Daraus folgt aber nicht, dass die Raumtemperatur beliebig niedrig bleiben kann. Möbel, Wände und andere Flächen geben Wärme wieder an die Raumluft ab; zugleich kühlen Außenflächen weiter aus. Wer nur einen kleinen Bereich nutzt, kann die Heizung gezielter einsetzen. Soll dagegen die ganze Wohnung dauerhaft warm sein, zählt der gesamte Wärmeverlust des Gebäudes.

Auch der Standort des Panels macht einen Unterschied. Wird die Strahlung durch einen Schrank, einen hohen Vorhang oder eine ungünstige Montageposition abgeschirmt, kommt weniger davon dort an, wo sie gebraucht wird. Dann wird die gewünschte Behaglichkeit möglicherweise erst bei längerer Laufzeit erreicht. Vor der Montage prüfe ich deshalb gedanklich zuerst: Welche Flächen und welcher Aufenthaltsbereich sollen Wärme abbekommen? Ein Panel ist kein Heizstrahler, den man irgendwo an die Wand hängt und anschließend nur nach der Quadratmeterzahl beurteilt.

Leistung ist nicht dasselbe wie laufender Verbrauch

Die Wattzahl hilft bei der Auslegung und bei der Berechnung der maximalen Leistungsaufnahme. Sie verrät aber nicht, wie viele kWh im Monat zusammenkommen. Ein 1.000-Watt-Gerät verbraucht während einer Stunde Volllast eine kWh. Wird es in dieser Stunde nur 20 Minuten eingeschaltet, sind es ungefähr 0,33 kWh. Der Stromzähler erfasst die tatsächlich bezogene Energie, nicht die Nennleistung auf dem Typenschild.

Für eine belastbare Messung eignet sich bei einem steckerfertigen Modell ein Strommessgerät, sofern Gerät und Steckdose für die Leistung zugelassen sind. Bei fest angeschlossenen Heizungen sollte die elektrische Installation eine Fachkraft prüfen; improvisierte Adapter oder ungeeignete Verlängerungskabel sind keine gute Lösung. Ein Messwert über einen einzelnen milden Tag ist wenig hilfreich. Aussagekräftiger ist eine Woche, in der die Heizung so genutzt wird, wie es später üblich sein soll.

Der Vergleich mit anderen Heizungen

Eine Infrarotheizung wandelt Strom am Gerät nahezu vollständig in Wärme um. Das klingt effizient, beantwortet aber nicht die Frage nach den Kosten im Vergleich zu anderen Heizsystemen. Bei einer Wärmepumpe kann aus einer Kilowattstunde Strom – abhängig von Anlage und Bedingungen – ein Mehrfaches an Wärme entstehen. Eine Direktheizung wie ein Infrarotpanel liefert dagegen ungefähr eine Kilowattstunde Wärme je Kilowattstunde Strom. Bei teurem Haushaltsstrom kann sie deshalb als dauerhafte Hauptheizung kostspielig sein, selbst wenn die Technik einfach und die Anschaffung überschaubar ist.

Das heißt nicht, dass sie grundsätzlich ungeeignet ist. Für ein selten genutztes Zimmer, einen gut gedämmten kleinen Raum oder eine zeitlich begrenzte Zusatzheizung kann die direkte Wärme praktisch sein. Der Vergleich sollte aber auf den gesamten Bedarf und die Nutzungsdauer schauen, nicht nur auf den Kaufpreis des Panels. Wer eine ganze Wohnung regelmäßig damit beheizen möchte, sollte den erwarteten Jahresverbrauch sorgfältig kalkulieren und den Strompreis mit den Alternativen vergleichen.

Eine Schätzung, die mit der Realität Schritt hält

Für den ersten Überschlag notiere ich drei Dinge: die Leistung des Panels, die realistische tägliche Volllastzeit und die Zahl der Heiztage. Daraus folgt der Verbrauch; mit dem eigenen Arbeitspreis werden daraus Kosten. Danach lässt sich die Schätzung mit einem Messgerät oder den Zählerständen überprüfen. Weichen die Werte stark ab, lohnt ein Blick auf die Regelung, den Aufstellort und die Wärmeverluste des Raums – nicht sofort der Kauf eines stärkeren Panels.

Am Ende ist die Wattzahl nur der Anfang der Rechnung. Ein Panel mit hoher Leistung kann bei kurzer, gezielter Nutzung weniger verbrauchen als ein kleineres, das stundenlang gegen kalte Außenwände anheizt. Wer seine tatsächliche Nutzung ehrlich einschätzt, bekommt keine perfekte Vorhersage, aber eine Zahl, mit der sich planen lässt. Und genau das ist hilfreicher als ein pauschales Versprechen, eine Infrarotheizung koste „nur wenige Euro im Monat“.

Bild: / Vecteezy

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